Schmallenberg.
Anlässlich des 9. November 1938 veranstaltete der Bezirksverband der Jungen Union Südwestfalen gemeinsam mit dem Gemeindeverband der Jungen Union Ense ein beeindruckende Veranstaltung mit dem jüdischen Zeitzeugen Carl Heinz Kipper.
Die jungen Christdemokraten lernten dabei eine herausragende Persönlichkeit kennen, der man ihre 83 Jahre Lebensalter und die vielen Schicksalsschläge nicht ansieht, die sie erlebte. Vielmehr noch: Carl Heinz Kipper zeigte sich lebensfroh und humorvoll und konnte alle Zuhörer im gut gefüllten Seminarraum mit seiner Lebensgeschichte bewegen.
Der gebürtige Iserlohner wuchs zunächst wie jedes andere Kind in seiner Heimat-stadt auf und wurde sogar auf Wunsch des Vaters katholisch getauft. Durch die Religionszugehörigkeit seiner Mutter war er aber zugleich jüdisch und wurde der Tradition gemäß beschnitten. Das Wort „Jude“ hörte er allerdings zum ersten Mal als Schüler in der achten Klasse, als seine Mitschüler plötzlich anfingen ihn zu meiden, weil ihre Eltern ihnen den Umgang mit ihm verboten hatten.
Auch, wenn er dies zunächst nicht verstehen konnte, merkte Carl Heinz Kipper immer stärker, was seine Religionszugehörigkeit für ihn unter der nationalsozialistischen Herrschaft bedeutete: Er wurde in der ersten Stunde aus dem Gymnasium geworfen, obwohl er ein sehr guter Schüler war und in der nur mit Glück erhaltenen Lehrstelle bekam er Ohrfeigen und Tritte von seinem Ausbilder.S
Sehr detailliert schilderte der Zeitzeuge die Geschehnisse in der Nacht des 09. November 1938, der Reichspogromnacht, in der er sich als Zwölfjähriger aus dem Haus schlich und die Iserlohner Synagoge in Flammen sah, während die Feuerwehr nur dafür sorgte, dass umliegende Häuser schadlos blieben. Bald darauf wurde seine Mutter in das KZ Theresienstadt deportiert und entkam der Ermordung am Ende nur, weil sie im Gefängnis innerhalb des Konzentrationslagers „vergessen“ wurde, als alle anderen aus ihrer Unterkunft zur „Vergasung“ abgeholt wurden.
Von seinen 64 Angehörigen überlebten nur sechs die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes. Nach der Verhaftung von Carl Heinz Kipper selbst wurde Iserlohn für „judenfrei“ erklärt. Er musste in der Nähe von Fulda in einem Salzbergwerk 14 bis 16 Stunden am Tag arbeiten. Der angeordneten Erschießung entging er kurz vor Kriegsende nur um Sekunden, da sich die beauftragten Soldaten vor einem Bombenangriff in Sicherheit brachten.
Nach dem Krieg überredete er seine Mutter, Deutschland nicht zu verlassen und schrieb erst spät seine Erinnerungen im Buch „Onkel Willi, warum weinst Du?“ nieder. Seit vielen Jahren ist er nun unterwegs, um jungen Menschen die Geschehnisse der Zeit nahe zu bringen und forderte auch die JU-Mitglieder -nachdem er ihre zahlreichen Fragen beantwortet hatte- auf: „Helfen Sie mit, dass so etwas nie wieder passiert!“.
Auch der Bezirksvorsitzende der Jungen Union Südwestfalen, Paul Ziemiak, und der Vorsitzende der Jungen Union Ense, Heinrich Frieling, zeigten sich beeindruckt: „Wir alle kennen die schrecklichen Tatsachen aus den Geschichtsbüchern und verschließen uns ihnen nicht. Aber die Geschichte eines Menschen zu hören, der das alles selbst erlebt hat, eröffnet auch uns eine ganz andere, weitergehende Wahrnehmung. So etwas vergisst man nicht!“